Prof. Dr. Nora Maria Raschle
Über die gesamte Lebensspanne hinweg ist das menschliche Gehirn das Ergebnis adaptiver, dynamischer und hochgradig interaktiver Prozesse. Von der Schwangerschaft über das frühe Kindes- und Jugendalter hinaus beeinflussen verschiedene entwicklungsbiologische Mechanismen, wie ein Kind Informationen verarbeitet und Probleme löst. Während Gene maßgeblich bestimmen, wann und wie sich bestimmte Hirnregionen und Verhaltensweisen entwickeln, beeinflussen Umweltfaktoren, frühe Erfahrungen und soziale Interaktionen, in welchem Ausmaß diese neuronalen Netzwerke und Fähigkeiten effektiv aufgebaut werden. Die Reifung des menschlichen Gehirns dauert bis zum Alter von 22 bis 25 Jahren an. Moderne neurowissenschaftliche Studien verdeutlichen, wie lange neuronale Schaltkreise geformt und fortlaufend verfeinert werden. Diese Entwicklung bietet sowohl Chancen als auch Risiken, während welcher Umwelt, Erfahrungen und Lernen auf die Biologie einwirken können. Solche eng miteinander verflochtenen Prozesse bilden die Grundlage dafür, wie Kinder ihre Umwelt wahrnehmen, mit ihr interagieren und kognitive sowie emotionale Identitäten entwickeln. Das Verständnis darüber, wie Verhalten durch dynamische Wechselwirkungen innerhalb und zwischen verschiedenen Systemen entsteht, ist nicht nur zentral für die Erklärung typischer Entwicklungsverläufe, sondern auch für die Identifikation früher Veränderungen, die zu entwicklungsbedingten oder psychiatrischen Diagnosen beitragen können. Zentrale Meilensteine der Gehirn- und Verhaltensentwicklung, kombiniert mit aktuellen Erkenntnissen aus Neurowissenschaft und Psychologie, bilden eine Grundlage dafür, neue Türen zu öffnen: zu Resilienz, zu Verständnis – und vielleicht sogar zum Glück.
PD Dr. med. Kerstin Paschke
Soziales Netzwerken, Gaming und Online-Videos-Schauen sind die beliebtesten Online-Aktivitäten bei Kindern und Jugendlichen. Sie verbinden soziale Teilhabe und Vernetzung, Teams und Challenges, Kreativität, Information und Entertainment. Gleichzeitig fördern Design-Mechanismen gezielt Immersion und hohe Nutzungszeiten. Unter einem Zusammenspiel persönlicher, umwelt- und medienspezifischer Risikofaktoren können sich abhängige Nutzungsmuster entwickeln, die mit negativen Konsequenzen in bedeutsamen Lebensbereichen einhergehen und die Entwicklung betroffener junger Menschen gefährden. Doch wie erkennt man dies frühzeitig? Wie viele Kinder und Jugendliche sind betroffen? Wie kann interveniert werden? Der Vortrag gibt einen Überblick über die Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Behandlung von Digitale-Medien-Nutzungsstörungen – einem klinisch und gesellschaftlich zunehmend relevanten Phänomen im digitalen Zeitalter.
Prof. Dr. med. Veit Roessner
Zwangsstörungen gehören zu den schwerwiegenden und häufigeren psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters. Trotz erheblicher Belastung für Betroffene und Familien wird die Problematik im klinischen Alltag häufig übersehen oder fehlinterpretiert. Damit geht wertvolle Zeit für eine zielgerichtete Behandlung verloren.
Während für die kognitive Verhaltenstherapie bei ausreichender Mitarbeit eine solide Evidenz vorliegt, ist die Studienlage zur Pharmakotherapie im Jugendalter nach wie vor zu selektiv bzw. gering und lässt Zweifel an ihrer optimalen Wirksamkeit, insbesondere bei chronischen Verläufen, aufkommen.
Aus der klinischen Erfahrung einer Spezialstation und Spezialsprechstunde für Zwangsstörungen zeigt sich, dass gerade das Entwicklungsfenster des Kindes- und Jugendalters genutzt werden muss: In dieser Phase bestehen nicht nur höhere Chancen auf nachhaltige therapeutische Veränderungen, sondern auch besondere rechtliche Rahmenbedingungen ? Eltern können über das Familiengericht aktiv in Behandlungsentscheidungen eingebunden werden, was im Erwachsenenalter nicht mehr möglich ist.
Der Vortrag verbindet die aktuelle internationale Evidenz mit praxisnahen Erfahrungen aus der spezialisierten Versorgung. Ziel ist es, die besondere Dringlichkeit zu verdeutlichen, Zwangsstörungen im Jugendalter frühzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln, um Fehldiagnosen zu vermeiden, Komorbiditäten adäquat zu berücksichtigen und eine Chronifizierung zu verhindern.
Dr. med. Simone Pfeuffer
Zwangsstörungen zählen zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Sie haben oft sehr starke Auswirkungen in der Alltagsbewältigung sowie im familiären und schulischen Rahmen, häufig ist die Familie sehr stark involviert und kann zu Konflikten im sozialen Umfeld führen.
Erkrankungsgipfel ist etwa im 11. Lebensjahr, das Hauptmanifestationsalter liegt etwa zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr, wobei bzgl. des Beginns der Erkrankung auch schon Patienten ab dem 6. Lebensjahr beschrieben worden sind.
In der Ätiologie der Zwangserkrankungen spielen sowohl genetische Faktoren als auch psychosoziale Faktoren wie Stress, Leistungsdruck, Traumata und belastende Kindheitserfahrungen eine Rolle.
In der Therapie von Zwangsstörungen bei Kindern und Jugendlichen ist, wie bei Erwachsenen, die kognitive Verhaltenstherapie mit Expositions- und Reaktionsmanagement am besten belegt.
In dem Vortrag werden zusätzlich Behandlungskonzepte eines spezialisierten stationären Settings mit innovativen neuen Ansätzen vorgestellt.
Dr. med. Ines Al-Ameery-Brosche, Dr. med. Caroline Bleyel
Die wechselseitige Beeinflussung von Eltern-Kind-Interaktionen und psychischer Gesundheit gilt als gesichert und gewinnt zunehmend an Bedeutung in therapeutischen Kontexten.
In unserer Studie „Lifeline“ wurde die Qualität der Interaktion zwischen depressiven Jugendlichen und ihren Bezugspersonen sowie deren Zusammenhang zur depressiven Symptomatik während und anschließend einer tagesklinischen Behandlung untersucht.
Mittels Video-Analyse wurde die „Emotional Availability“ sowie Depressivität und andere Marker erfasst.
Die Depressivität der jugendlichen Patient:innen sowie auch der Eltern verändert sich meist positiv während und nach der tagesklinischen Behandlung. Es ergeben sich Hinweise, dass sich die emotionale Verfügbarkeit durch die Behandlung verbessert.
Diese Studie generiert neue Hinweise auf die Einflussfaktoren der Eltern-Kind-Interaktion sowie deren Auswirkung auf den Krankheitsverlauf und die Wirksamkeit familienzentrierter Behandlungselemente.
Dr. med. Nora Volmer-Berthele
Immer mehr und immer jünger. Die Anzahl an Kindern im Vorschulalter mit psychiatrischen Auffälligkeiten steigt. Die Einschränkungen in Bezug auf die Teilhabe sind hierbei besonders deutlich und werden bereits im Kindergartenalter tiefgreifend erkennbar. Ein Ausschluss an der Beteiligung hier wird immer häufiger und legt die Grundlage für weiterführende erhebliche Einschränkungen der sozio-emotionalen Entwicklung. Wie kann dieser adäquat begegnet werden?
Die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen mit kinder- und jugendpsychiatrischen Krankheitsbildern zielt daher auf die Sicherstellung der (Re-) Integration in den Alltag ab, dem ein systemischer Unterstützungsansatz zugrunde liegt. Der Fokus auf der Wiederherstellung der Teilhabe ist hierbei Grundlage des Handelns. Mit der Entwicklung psychoedukativer Ansätze, die sowohl alters- als auch störungsspezifisch ausgearbeitet wurden, sollten Kinder sowie ihre anwesenden erwachsenen Bezugspersonen dabei unterstützt werden, Erkrankungen besser zu verstehen, Bewältigungsstrategien zu erlernen und Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Durch das verbesserte Verständnis für das spezifische Krankheitsbild und die Anleitung im Umgang mit den damit verbundenen Einschränkungen erleben sich die Familien selbst als wirksam. Die Kinder können im geschützten Umfeld, begleitet durch ausgebildetes Fachpersonal, positive Interaktionserfahrung machen, die sie nachhaltig stabilisieren. Gleichzeitig können erwachsene Bezugspersonen in ihrer Elternrolle mehr Sicherheit entwickeln. Dieser Vortrag dient der Darstellung von Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten im rehabilitativen Setting als Teil der sektorenübergreifenden Behandlungskette.
JProf. Dr. med. Undine Zellin
In diesem Beitrag sollen alternative Therapiemethoden an Hand von kunsttherapeutischen Interventionen im Rahmen einer therapeutischen Segelfahrt, welche mit psychisch, psychosomatisch und/oder somatisch erkrankten Jugendlichen bereits durchgeführt wird, vorgestellt werden. Zunächst werden wissenschaftliche Daten sowie Behandlungsansätze zu Kunsttherapie sowie Segeln als Therapieform bei Kindern und Jugendlichen dargestellt. Abschließend werden die Daten eines eigenen Forschungsprojektes zum seelischen Profit von Jugendlichen durch kunsttherapeutische Interventionen im Rahmen einer therapeutischen Segelfahrt vermittelt.
Nadine Vietmeier, Johanna Kaiser
Psychische Erkrankungen im Nachwuchsleistungssport sind ein zunehmendes Thema, da junge Sportler:innen häufig unter hohem Leistungsdruck und emotionalen Belastungen stehen. In Deutschland gibt es jedoch bislang kaum etablierte psychotherapeutische Konzepte, um Nachwuchsleistungssportler:innen gezielt zu unterstützen.
Es werden aktuelle Daten zur psychischen Belastung von jugendlichen Nachwuchsleistungssportler:innen in Deutschland, bereits vorhandene Unterstützungsstrukturen sowie wirksame Interventionen aus anderen Ländern vorgestellt. Ziel ist es, die Bedeutung psychotherapeutischer Begleitung im Kontext des Leistungssports zu verdeutlichen und evidenzbasierte Ansätze für die Praxis zu präsentieren.
Dustin Fornefeld
Hunde sind in der psychotherapeutischen Arbeit nicht nur Begleiter, sondern aktive Akteure in einem komplexen Beziehungsgeflecht. Sie können dabei als Spiegel innerpsychischer Zustände fungieren und Übertragungs- sowie Gegenübertragungsphänomene intensiveren. Sie bieten projektive Flächen für unbewusste Fantasien oder werden evtl. zur Befriedigung von Bedürfnissen im Hier und Jetzt genutzt, welche noch nicht verbalisiert werden können. Ihre Präsenz kann als sicherer Hafen erlebt werden, aber auch Verlustängste, ambivalente Bindungserfahrungen oder Aggressionen hervorrufen. Die Dynamik im Dreieck Patient*in - Hund - Fachkraft eröffnet neue Zugänge und ermöglicht unter Umständen eine direktere Art der Auseinandersetzung mit nicht-sprachlichem Material. Dieser Vortrag versteht sich als Beginn einer psychodynamischen Auseinandersetzung mit der tiergestützten Therapie und diskutiert, wie diese unbewussten Prozesse psychodynamisch verstanden und nutzbar gemacht werden können.
Dr. phil. Peter Conzen
Immer häufiger geht es in Beratung und Psychotherapie um die Stützung des verunsicherten Selbst, die Klärung drängender Identitätsprobleme. Und oftmals stoßen wir hinter Gefühlen von Selbstzweifeln, Überforderung, Orientierungslosigkeit und Nichtzugehörigkeit auf offene oder verdeckte Schamthemen. Gleichzeitig erleben wir im mitunter Grellen und Distanzlosen der öffentlichen Inszenierungen, im zunehmend Harten und Unversöhnlichen gesellschaftlicher und politischer Kontroversen eine Art „befreiter Schamlosigkeit“, die Achtung, Toleranz und demokratische Umgangsformen zu gefährden droht.
Der Vortrag beleuchtet die Doppelrolle der Scham als Hüterin wie als potenzielle Zerstörerin menschlichen Selbstgefühls, diskutiert die Vielfalt von Schamempfindungen und Schamanlässen in ihrer Auswirkung auf individuelle und gesellschaftliche Konflikte.
Dr. med. Renate Sannwald
Ausgehend von den Untersuchungen Jeffrey Jensen Arnetts über die »Emerging Adulthood« werden Untersuchungen in Bezug auf das junge Erwachsenenalter vorgestellt, die auf die Vielgestaltigkeit dieser Lebensphase hinweisen.
Es besteht ein erhöhtes Krankheitsrisiko für psychische Erkrankungen, so dass junge Erwachsene in den nächsten Jahrzehnten in noch größerer Zahl in unseren jugendpsychiatrisch-psychotherapeutischen Praxen zu erwarten sind. Hier ist entscheidend, ob unsere jungen Patienten in der Lage sind, diese „Tür zum Erwachsenenalter“ zu durchschreiten – oder davor zurückschrecken.
Psychodynamische Überlegungen machen deutlich, dass die Besonderheiten des jungen Erwachsenenalters eine Umstellung im behandlungstechnischen Vorgehen erfordern. Dafür werden auch die Möglichkeiten der Videotherapie nutzbar, die seit der Corona-Pandemie im kassenärztlichen Versorgungssystem möglich sind.
Kasuistische Beiträge der Teilnehmer sind willkommen!
Dr. Wally Wünsch-Leiteritz
Vorgestellt werden Strategien zum Umgang mit dieser Patient:innengruppe, die häufig als besonders schwierig zu behandeln eingeschätzt wird. Das Entwickeln bzw. Aufrechterhalten einer Veränderungsmotivation, das immer wieder angemessene Durchsetzen notwendiger Begrenzungen von Störungsverhalten, der Umgang mit Komorbiditäten und ernährungsmedizinische Herausforderungen sollen dargestellt werden.
Dr. Klaus-Ulrich Oehler
Was sollte der Kinder- und Jugendpsychiater wissen? In dem Vortrag werden ausführlich die verschiedenen Epilepsieformen dargestellt. Insbesondere die Differentialdiagnose zwischen psychogenen und epileptischen Anfällen wird an Beispielen erläutert. Nachdem wir in den 90er Jahren nur eine Handvoll anfallssupprimierende Medikationen hatten, gibt es inzwischen 20 verschiedene Präparate. Diese sind oft bezüglich ihrer Wirksamkeit vergleichbar. Jedoch sind die Nebenwirkungen sehr unterschiedlich und für den Kinder- und Jugendpsychiater sehr relevant. Viele anfallssupprimierende Medikamente können Depressionen, impulsives Verhalten sowie schizotype Verhaltensstörungen provozieren oder verstärken. Daher ist der Kinder- und Jugendpsychiater zunehmend gefragt, die Therapie mit den Epileptologen abzustimmen. Dieses wird anhand von Fallbeispielen ausführlich erläutert.
Dr. med. Heiko Dietrich
In den kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen mehren sich die Behandlungswünsche Jugendlicher mit Genderdysphorie und transidentem Erleben. Die Einflussfaktoren für die Identitätsbildung sind vielfältig und die Begleitung der Alltagserprobung von Trans*Jugendlichen im gefühlten Geschlecht stellt an uns besondere Herausforderung. Anhand von Falldarstellungen aus der therapeutischen Praxis sollen wesentliche Aspekte der therapeutischen Arbeit erörtert werden; ebenso der Einfluss psychischer Störungen auf das Selbstbild der Jugendlichen und Überlegungen zur Indikationsstellung bei dem Wunsch nach somato-medizinischer Behandlung.
Prof. Dr. med. Rainer Thomasius
Am 1. April 2024 trat das Cannabisgesetz (CanG) in Kraft. Es regelt die „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken“. In den USA hat die Legalisierung zu einer sinkenden Risikowahrnehmung für die Gesundheitsschäden des Konsums sowie zu einer Zunahme riskanter Konsummuster auch unter Adoleszenten beigetragen. Die Inanspruchnahmen cannabisbezogener Notfall- und Suchtbehandlungen stiegen steil an. Ähnliche Entwicklungen sind nun für Deutschland zu befürchten.
Für Kinder und Jugendliche mit cannabisbezogenen Störungen wird in den Sucht-Fachabteilungen der kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Kliniken mit der qualifizierten Entzugsbehandlung und der anschließenden Behandlung komorbider psychischer Störungen ein hoher Qualitätsstandard vorgehalten. Jedoch ist die Anzahl der Krankenhausbetten nicht bedarfsgerecht bemessen. Dies trifft auch für die zu knapp ausgelegten Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation für Kinder und Jugendliche mit den Indikationen Cannabismissbrauch und -abhängigkeit zu. Es droht, dass Kinder und Jugendliche in doppelter Hinsicht Leidtragende der geänderten Drogenpolitik sein werden.
Prof. Dr. Peter J. Uhlhaas
Psychische Erkrankungen treten besonders häufig zwischen dem 12. und 25. Lebensjahr auf, mit wichtigen Implikationen für die Pathogenese, Diagnose und Behandlung. Vor diesem Hintergrund möchte ich ein „Youth Mental Health“ Paradigma skizzieren, in dem die Früherkennung, Frühintervention und Prävention von psychischen Erkrankungen im Jugendalter im Mittelpunkt steht.
Dieser Ansatz begründet sich aus neueren Befunden zu „sensitiven Phasen“ der Gehirnentwicklung im Jugendalter, die durch Wechselwirkungen mit Risiko- und Resilienzfaktoren zum Auftreten von psychischen Erkrankungen führen. Des Weiteren sind innovative diagnostische Ansätze erforderlich, um beginnende psychische Erkrankungen zu erkennen, so z.B. durch „klinische Stadienmodellen“ sowie durch die Anwendung von normativen „Wachstumskurven“. Ein zentraler Aspekt des „Youth Mental Health“ Paradigmas sind niedrigschwellige, klinische Versorgungsstrukturen für Jugendliche sowie digitale Interventionen, um Jugendlichen einen besseren Zugang zu klinischen Angeboten zu ermöglichen und die Versorgung in dieser Altersgruppe nachhaltig zu verbessern.
Zusammengefasst könnte ein „Youth Mental Health“ Paradigma die psychische Gesundheit junger Menschen erheblich verbessern und dadurch einen signifikanten Beitrag zur Prävention von schweren psychischen Störungen beitragen.
Dr. Silke Naab
Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge Eating Störung) sind schwerwiegende psychische Erkrankungen. Der Beginn liegt oftmals im Kindes- und Jugendalter, die Krankheit hat unbehandelt einen langen Verlauf bis ins Erwachsenenalter mit körperlichen Folgeschäden und weitreichenden psychischen und sozialen Beeinträchtigungen. Im Vortrag werden Hinweise zur Häufigkeit der Erkrankungen, diagnostische Einordnung, ätiologische Faktoren wie psychosoziale Belastungsfaktoren gegeben. Zu letzteren zählen das gesellschaftlich geprägte Schönheitsideal, verstärkter Medienkonsum, Folgen der COVID-19 Pandemie, Unsicherheiten durch Klimakrise und Kriege. Diskutiert werden somatische und psychotherapeutische Aspekte der leitlinienorientierten Behandlung. Hierzu zählen Maßnahmen der Wiederernährung (Refeeding) bei ausgeprägter Anorexia nervosa, Aufbau von Motivation und Krankheitseinsicht zur Ermöglichkeit der Bearbeitung innerer Konflikte, psychotherapeutische Behandlung des exzessiven Bewegungsdrangs, Expositionsbasierte Therapieangebote, Möglichkeiten des Hometreatment, Einbindung der Angehörigen, sowie intensive Nachsorge der Jugendlichen auch unter Einbeziehung internetbasierter Angebote. Eigene Behandlungsdaten werden vorgestellt.
Michael Metzner
Die Behandlung spezifischer Phobien gehört zum Grundrepertoire einer jeden Psychologischen Psychotherapeutin oder Psychotherapeuten. Und doch scheint es eher die glückliche Ausnahme zu sein, wenn ein junges Mädchen, das unter einer Emetophobie – der krankhaften Angst vor dem Erbrechen – leidet, von professionellen Helfern die korrekte Diagnose und eine gewinnbringende Behandlung erhält. Das liegt an dem Umstand, dass diese Erkrankung zahlreiche Überschneidungen mit anderen, vielleicht prominenteren Störungsbildern aufweist, die schlichtweg besser bekannt und darum auch umfangreicher beforscht sind (zum Beispiel Zwangsstörung und Anorexia nervosa). Dabei ist die Beeinträchtigung, die eine Emetophobie in vielen verschiedenen Lebensbereichen mit sich bringt, enorm, da die „Gefahr“ des eigenen oder fremden Erbrechens praktisch überall lauert – bei gewöhnlichen Infekten, beim Essen, Feiern, Reisen oder in der Schwangerschaft. Häufig beginnt die Erkrankung bereits im Kindesalter, durchschnittlich im zehnten Lebensjahr, und hat damit eine besondere Relevanz für Kinderärzte und für Therapeuten im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.
Dr. med. Barbara Wüst
1) Die deutschen Leitlinien und internationale 4 Digit Code wird vermittelt.
2) Häufige Auffälligkeiten wie die Störung des Sozialverhaltens mit oppositionell verweigerndem Verhalten und Defizite in den Exekutivfunktionen werden thematisiert und Fördermöglichkeiten besprochen.
Wie können wir unseren Patienten die Chance auf ein glückliches Leben verbessern?
Dr. Klaus-Ulrich Oehler
Schizophrenien und bipolare Störungen sind im Kindes- und Jugendalter unterdiagnostiziert. So werden oft die Vorstufe, die durchaus behandlungspflichtig sind, mit Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörrungen verwechselt. Den empirischen Daten zufolge müssten die niedergelassenen Kinder und Jugendpsychiater Schizophrenien und auch bipolare Störungen 10- bis 20mal häufiger diagnostizieren. Dieses ist insbesondere wichtig, da die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Schizophrenien und bipolaren Störungen den weiteren Verlauf positiv beeinflussen können. Auf die verschiedenen Therapiemöglichkeiten, Vor- und Nachteile der entsprechenden Medikation wird eingegangen. Bezüglich der Pharmakologie wird ein besonderes Augenmerk auf die Pharmakokinetik der Medikation gelegt.
Dr. Inés Brock-Harder
Kinder machen Eltern glücklich. Dieses Versprechen führt insbesondere für ungewollte Kinderlose in eine Wunschtrance, die nach oft schmerzlichen Erfahrungen von Fertilitätsproblemen zur Inanspruchnahme von Angeboten der Fortpflanzungsmedizin führt.
Der Wunsch nach einem eigenen Kind lässt Paare anstrengende und psychisch herausfordernde Wege bestreiten, die selten psychologisch begleitet werden. Medizinischer Fortschritt wird in den Reproduktionszentren angepriesen, um sich den Kinderwunsch auf unterschiedlichen Wegen doch noch zu erfüllen. Dabei kann es auch zu gespaltener Elternschaft führen, wenn Gametenspenden benötigt werden. Einige Möglichkeiten sind in Deutschland verboten, dennoch gibt es in Deutschland Kinder, die im Ausland gezeugt oder auch ausgetragen werden. Noch ist die Leihmutterschaft verboten, jedoch zeigt die gegenwärtige Kontroverse zur altruistischen Leihmutterschaft, dass der Kinderwunsch ein großes Thema für Teile der Gesellschaft ist.
Was hat dies mit uns Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen und -psychiater*innen zu tun? Jedes Jahr werden ca. drei Prozent der Kinder aufgrund von reproduktionsmedizinischen Behandlungen geboren. Was bedeutet dies für diese Kinder und ihre Familien? Wie sieht es aus mit deren Herkunftssicherheit und mit der Familiendynamik? Erste Forschungsergebnisse legen nahe, dass es nicht egal ist, wie ein Kind entstanden ist. Im Vortrag wird der aktuelle Forschungsstand psychodynamischen und familiensystemischen Perspektiven gegenübergestellt. Dies beinhaltet auch psychotherapeutische Implikationen zur Begleitung dieser Kinder.
Götz-Peter Lampe
Gesellschaftliche Wandlungsprozesse und die Eröffnung neuer sozialer Räume, z.B. medialer stellen uns vermehrt vor neue Herausforderungen. Neue Themen und Wirklichkeitskonstruktionen unserer KlientInnen und deren Familien, können einen Prozess anregen, inwieweit unsere Begriffe von Krankheit, Gesundheit noch greifen und wo/wie neu gedacht werden könnte.
Dr. Silke Naab
Depressionen bei Kindern und Jugendlichen gehören zu den häufigsten und schwerwiegendsten psychischen Störungen. Depressionen bei Jugendlichen gehen häufiger als bei Erwachsenen mit komorbiden psychischen Störungen einher; als Folgen der Erkrankung können Schwierigkeiten in sozialen Interaktionen, Schulprobleme und Schulabbrüche, Konsum von Drogen oder Alkohol und soziale Fehlentwicklungen auftreten.
Das Risiko suizidaler Handlungen ist erhöht, es besteht eine höhere Vulnerabilität für somatische Krankheiten. Depressionen zählen zu den häufigsten Todesursachen im jungen Erwachsenenalter. Im Vortrag werden altersphasenabhängige Unterschiede der Symptomatik und ätiologische Aspekte, insbesondere Folgen der COVID-19 Pandemie, vermehrte Präsenz sozialer Medien, Traumatisierungen, sowie Einfluss gesellschaftlicher Aspekte wie Klimakrise und Kriege dargestellt. Diagnostik, Differentialdiagnostik, sowie leitlinienorientierte Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Depression werden beschrieben. Letztere umfasst unter anderem den Aufbau von Vertrauen, Motivation und Krankheitseinsicht. Vorgestellt werden spezifische Einzel- und Gruppentherapieelemente, die Notwendigkeit der Einbindung der Angehörigen, sektorenübergreifende Vernetzung. Nutzen und Risiken begleitender Psychopharmakotherapie werden diskutiert. Eingang finden eigene Behandlungsergebnisse.
Dr. med. Gundolf Berg & Dr. Jörg Lüthy
Seit April 2025 können wir mit einer neuen Richtlinie vernetzt arbeiten, der KJ-KSV-Psych-RL. In der Veranstaltung wird die Richtlinie kurz vorgestellt und über erste Erfahrungen in der Arbeit in der Richtlinie berichtet. Beide Referenten sind an unterschiedlicher Stelle sehr eng in die Entwicklung und Implementierung eingebunden und können auch über politische Implikationen Auskunft geben. Es besteht die Möglichkeit für Fragen aus dem Auditorium.
Dr. Feline Zocher
Die steigende Prävalenz von Adipositas bei Kindern- und Jugendlichen in Deutschland führt zu einem erhöhten Bedarf an Therapieangeboten. Nachsorgeleistungen verbessern die Prognose der RehabilitandInnen, sind jedoch nur fragmentiert vorhanden.
Das Projekt „DiNa4u“ greift diese Herausforderung auf und nutzt das Potential der Digitalisierung für die Entwicklung, Implementierung und Evaluation eines multimodalen Nachsorgeangebotes für Kinder und Jugendliche mit Adipositas im Alter von 12 bis 17 Jahren in Form einer App.
Mit zielgruppenorientierten, kreativen Inhalten und persönlicher therapeutischer Begleitung in Kombination mit Habit Tracking, werden RehabilitandInnen im Rahmen der digitalen Nachsorge für eine Dauer von 12 Monaten auf dem Weg zu ihrer nachhaltigen Lebensstiländerung unterstützt.
Nach 18-monatiger Interventionsphase mit einer Stichprobe von n>100 können erste Daten, Erfahrungen und Erkenntnisse präsentiert werden.
PD Dr. med. Franziska Degenhardt, Dr. med. Annegret Brauer
Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit genetischen Syndromen ist in der täglichen Arbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie mit Herausforderungen verbunden. Kinder mit genetischen Syndromen kommen in der Regel wegen Verhaltensauffälligkeiten bzw. einer emotionalen Symptomatik in die kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung, oft besteht eine Intelligenzminderung, eine genetische Diagnostik zur ätiologischen Einordnung der Intelligenzminderung wird empfohlen, in etwa 30% der Untersuchten wird eine krankheitsursächliche genetische Veränderung nachgewiesen. In dem Vortrag werden die Herangehensweise und die Besonderheiten in der ambulanten und stationären Behandlung von Kindern und Jugendlichen anhand von Fallbeispielen aus der Praxis anschaulich dargestellt.
Dr. Alexander Korte
Die Zahl der Minderjährigen, die sich im „falschen Körper“ wähnen und eine gegengeschlechtliche Hormonbehandlung und eine „geschlechtsangleichende“ Operation wünschen, ist in den letzten Jahren bekanntlich exponentiell angestiegen.
Das „Selbstbestimmungsgesetz“ (SBG) in Deutschland ermöglicht, dass Minderjährige, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, ohne Vorbedingungen einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Standesamt stellen können.
Auffällig ist, dass inzwischen über 80 Prozent der geschlechtsdysphorischen Jugendlichen, die sich einer körperverändernden Behandlung unterziehen wollen und/oder eine Änderung des Vornamens und des Personenstandes anstreben, (biologisch) weiblichen Geschlechts sind.
Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, die Ursachen für die beobachteten epidemologischen Verschiebungen zu analysieren.
Vor allem sollte der Frage nachgegangen werden, ob die Trans-Identifikation möglicherweise in erster Linie eine maladaptive Lösung oder Strategie ist, um den erheblichen entwicklungspsychologischen Aufgaben und Anpassungsanforderungen der weiblichen Pubertät zu entgehen.
Für ein tieferes Verständnis dieses Aspekts ist es hilfreich, die Gemeinsamkeiten zwischen neu auftretender Geschlechtsinkongruenz, die sich erst in der frühen oder mittleren Adoleszenz manifestiert, und Anorexia nervosa zu betrachten und die zugrundeliegenden entwicklungspsychologischen Herausforderungen der weiblichen Pubertät und Adoleszenz herauszuarbeiten.
Prof. Michael Kölch
Dr. med. Klaus-Ulrich Oehler
Wie in den vergangenen Jahren werden im Pharmakologie-Update die neuesten Entwicklungen im Bereich Psychopharmakologie, soweit relevant für Kinder und Jugendliche, dargestellt. Dabei werden die neuen Antidepressiva, Neuroleptika und auch anfallssupprimierende Medikation mit den bisher etablierten bezüglich Wirksamkeit und Nebenwirkungen verglichen. Hier wird insbesondere auf Aspekte der Pharmakokinetik eingegangen. Es wird genügend Zeitraum verbleiben, um Fragen zu stellen. Diese können auch durchaus fallbezogen sein.
Dipl.-Ing- Dr. med. Christof Sturm
Im Seminar zur GOÄ-Abrechnung werde die Leistungen, die in einer KJP/KJPP-Praxis üblicherweise im Rahmen der “Privatbehandlung” erbracht und nach GOÄ abgerechnet werden können, darstellen. Besondere Berücksichtigung werden die seit 01.07.2024 neu eingeführten Analogziffern finden. Der Deutsche Ä,rztetag hat einer mit der PKV entwickelten, bepreisten “GOÄ neu” im Mai 2025 zugestimmt. Mal abwarten, was im November 2025 über weitere Entwicklungen berichtet werden kann.
Für Diskussion und Erfahrungsaustausch werde ich gerne Gelegenheit geben.
Anja Walczak
Das Seminar richtet sich in erster Linie an „Neueinsteiger“ der EBM-Abrechnung.
Es wird um die Frage gehen: Was ist der wirtschaftliche Wert meiner erbrachten Leistungen?
Mit welcher Einnahmesituation meiner Praxis kann ich rechnen?
Die neuen Möglichkeiten der Videosprechstunde sollen ebenfalls ausreichend berücksichtigt werden.
Diese Fragen sind bei jeder Praxisgründung und Praxisübernahme sicher von besonderer Bedeutung.
Das Seminar soll Neueinsteigern in der ambulanten Praxis Hilfestellungen geben, um sich im manchmal undurchsichtig erscheinenden System von EBM und Honorarverteilungsmechanismen besser zu Recht zu finden.
Neben der Darstellung der Grundprinzipien der EBM-Abrechnung, der einzelnen Abrechnungsziffern und der Erläuterung der Basisbegriffe sollen im Seminar auch typische Alltagssituationen in unseren KJPP-Praxen und hierzu geeignete Abrechnungsmöglichkeiten vorgestellt werden.
Der seit 01.04.2020 gültige EBM mit den Erneuerungen wird selbstverständlich vermittelt.
Grundprinzipien der Honorarverteilung können ebenfalls erläutert werden, wobei diese Thematik aufgrund weiterhin bestehender regionaler Besonderheiten sicher nicht in jedem Fall erschöpfend erläutert werden kann.
Thomas Duda
Das Seminar richtet sich in erster Linie an „alte Hasen“ der EBM-Abrechnung, die ihre Kenntnisse hierzu auffrischen wollen und den kollegialen Austausch suchen.
Neben der Darstellung von Grundprinzipien der EBM-Abrechnung, der einzelnen Abrechnungsziffern und der Erläuterung der Basisbegriffe sollen im Seminar in erster Linie typische Alltagssituationen in unseren KJPP-Praxen und hierzu geeignete Abrechnungsmöglichkeiten vorgestellt und diskutiert werden.
Neuerungen im Zuge der EBM-Reform werden umfangreich erläutert und diskutiert.
Wir wollen dazu motivieren, unsere erbrachten Leistungen offensiv darzustellen und abzurechnen.
Grundprinzipien der Honorarverteilung können ebenfalls kurz erläutert werden, wobei diese Thematik aufgrund weiterhin bestehender regionaler Besonderheiten sicher nicht in jedem Fall erschöpfend diskutiert werden kann.
Dr. Fabian Härtling
Anja Walczak, Dipl.-Ing- Dr. med. Christof Sturm
Was soll das überhaupt? Machen wir das für mehr Geld? Fürs Ego?
Wir haben bei der Berufspolitik so viele interessante Menschen kennengelernt und gelernt, wie alles mit allem zusammenhängt.
Kinder- und Jugendpsychiatrie ist für mich nicht ohne politisches „aktiv werden“ denkbar.
Zum einen muss das Einkommen sichergestellt sein, zum anderen die Vielfalt der Tätigkeitsbereiche und der Möglichkeiten.
Man lernt interessierte und interessante Menschen kennen, die über den Tellerrand schauen.
Berufsverbandstreffen auf Bundesebene oder in der Ärztekammer zur Weiterbildungsmodernisierung oder was für Veränderungen entstehen zur Weiterbildung, wie erklären wir Zunahme von Inanspruchnahme und Störungsbildern, wie entstehen Leitlinien usw, usw ...
Die Möglichkeiten in der Berufspolitik aktiv zu werden, sind vielfältig und wir wollen sie motivieren und neugierig machen.
Fragen sind erwünscht ohne fertige Antworten.
Andrea Rothenburg
Immer mehr Jugendliche machen Erfahrungen mit psychischen Krisen: Depressionen, Trauma, Ängste, Süchte, Essstörungen, Schizophrenie, Zwänge und andere Erkrankungen stellen sie und ihr Umfeld vor besondere Herausforderungen. War es vor der Coronazeit jeder fünfte Jugendliche, dem es nicht gut ging, ist es jetzt jeder Dritte. Auch die Zahlen von Schulabsentismus, also dem ständigen oder dauerhaften Fehlen in der Schule, steigen stetig. Auf Psychotherapieplätze warten viele im Durchschnitt 22 Monate, was fatale Folgen hat. Suizidversuche bei Kindern und Jugendlichen sind nun drei Mal so hoch. Nicht selten mit tödlichem Ausgang.
Der Film "Hört uns zu! - Krisenerfahrene Jugendliche im Fokus" hat schon bei der Voraufführung auf dem DGPPN Kongress (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V.) vor Fachpublikum viel Anerkennung bekommen. Er gibt Jugendlichen eine Stimme, die psychische Krisen erlebt haben und immer noch erleben. Die Dokumentation zeigt, wie sie diesen Herausforderungen begegnen, was ihnen hilft und was nicht. Der Film bietet Einblicke in ihre Bedürfnisse und Hoffnungen.
Sophia, Michelle, Korbinian, Nina, Julia und Josef wollen gehört werden und machen anderen Mut. Psychische Krisen können Überwunden werden oder man kann lernen, mit den Erkrankungen zu leben..
Regisseurin Andrea Rothenburg liegt das Thema besonders am Herzen: "Es wird zu oft an Problemen von jungen Menschen vorbeigeschaut. Als Gesellschaft sollte es unsere Aufgabe sein, an Lösungen zu arbeiten. Der Film ermuntert, sich Hilfe zu holen und nicht allein mit Problemen zu bleiben, denn das kann Leben retten", so Rothenburg.
Der Film wurde für Jugendliche und Erwachsene produziert und motiviert, genauer hinzuschauen. Er gibt Tipps für Jugendliche und alle, die mit ihnen zu tun haben. Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Rüdiger Wittmann steht auch vor der Kamera und hat die Jugendlichen therapeutisch begleitet. Er ist stolz auf seine Schützlinge: "Wir hatten mit dem Film das Ziel, Ängste vor der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu nehmen und das Ziel haben wir erreicht."
Dipl.-Ing- Dr. med. Christof Sturm
In der AG wird der aktuelle Stand der Planung der Einführung der "ePA für Alle" vorgestellt.
Ab dem 15.01.2025 ist die "ePA für Alle" von den Krankenkassen für jeden gesetzlich Versicherten angelegt worden. Seit 01.04.2025 gilt die Richtlinie der KBV zur Befüllung bei unter 15-jährigen. Am 29.04.2025 erfolgte der bundesweite Roll-out.
Ab dem 01.10.2025 ist die Nutzung der ePA für Leistungserbringende verpflichtend, ab dem 01.01.2026 ist Bestrafung vorgesehen bei Nicht-Gebrauch. Krankenhäuser sind bisher praktisch nicht in der Lage, die ePA zu nutzen. Die Versicherten zeigen bisher kaum Bereitschaft, diese "Versichertengeführte Akte" zu führen. Ich bin gespannt, welchen Stand wir im November 2025 diskutieren werden.
Katharina Bayer
KJPP: Ein Blick hinter die Kulissen eines faszinierenden Fachgebietes.Dieses Seminar bietet einen Einblick in die vielfältigen Facetten der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJPP) als mögliche Berufung. Es richtet sich an Studierende und Kolleg:innen am Anfang ihrer ärztlichen Weiterbildung, die mehr über die Tätigkeiten und Möglichkeiten in der KJPP erfahren möchten. Im Mittelpunkt stehen der praktische Alltag von Kolleg:innen, die attraktiven Aspekte einer Weiterbildung in der KJPP, die Passung des Fachgebietes zu individuellen Neigungen, Fähigkeiten und Lebensplanung sowie Möglichkeiten zum Einstieg in das Fachgebiet.
Dr. med. Annegret Brauer
Die ICD-11 ist 2022 in Kraft getreten, derzeit gibt es eine deutschsprachige Entwurfsfassung beim BfArM. Die "Psychischen Störungen, Verhaltensstörungen oder neuronale Entwicklungsstörungen" werden in Kapitel 6 erfasst. Es gibt verschiedene Neuerungen, so wurden neue Diagnoseschlüssel aufgenommen, bspw. die anhaltende Trauerstörung, die cPTBS u.a.. Die diagnostische Trennung zwischen Störungen in Kindheit und Jugend zum Erwachsenenalter wurde unter Berücksichtigung der Entwicklungsperspektive aufgegeben. Zudem besteht die Möglichkeit soziokulturelle Faktoren mit zu verschlüsseln. In der AG sollen wesentliche Änderungen auch anhand von Fällen aus der Praxis vorgestellt und diskutiert werden.
Dr. Reinhold Martens
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Prof. Dr. med. Ekkehard Haen
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Dr. Reinhold Martens
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Dr. med. Carsten Edert, Dr. med. Anke Lipps
Nachdem wir uns in den vergangenen Workshops um Struktur, Mitarbeiter, Finanzierung, Kommunikation und Selbstverständnis in unseren Praxen gekümmert haben, möchten wir diesmal den Blick auf Perspektiven, Entwicklung und Veränderungen richten. Was würden Sie in Ihren Praxen gerne entwickeln, wohin steuern, wie können wir auf innere und äußere Veränderungen resilient antworten?
Der Workshop ist wieder in vier Fragestellungen aufgeteilt, wir arbeiten in zwei 90 Minuten Blöcken mit einer Pause dazwischen.
1. Digitalisierung und hybride Versorgung, was können wir davon sinnvoll nutzen?
2. Veränderungen bei Mitarbeitenden und Aufgabenentwicklung: Praxismanagement, Neugestaltung bei Fachkräftemangel und (Um-) Gestaltung von Berufsrollen.
3. Strategien zur Gesundheit für uns und dem Team, Nachhaltigkeit erreichen bei strukturellen und inhaltlichen Entwicklungen, Mitarbeiterbindung und - Entwicklung
4. Therapeutische und diagnostische - Schwerpunktentwicklung in unseren Praxen, was wollen wir - wie kommen wir dahin?
Die Referent*innen leiten beide seit vielen Jahren SPV Praxen, haben persönlich verschiedene therapeutische Schwerpunkte entwickelt und sind als Supervisor*innen (T.A.) ausgebildet und tätig. Nach einem kleinen Auftakt Vortrag, werden wir im bewährten Setting (Schwarmintelligenz) uns in Kleingruppen miteinander inspirieren und Ideen und Konzepte austauschen und entwickeln. Zum Ende folgt ein gemeinsamer Austausch öber die entwickelten Konzepte.
Dr. med. Dieter Appel, Dorothee Mecklenburg
In der therapeutischen Begleitung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien geht es darum, mit ihnen Türen zu öffnen und neue Räume zu erschließen.
Der Weg zum „Glück“ eines Kindes kann gelingen mittels entwicklungsgemäßer und bedürfnisorientierter Begleitung.
Es geht darum, mit Kindern deren Intuition und Kreativität zu entdecken und zu entwickeln.
Heilung wird zum Prozess, zu sich selbst zu kommen.
Schon früh wird das Kind eingefügt in Institutionen und ihre oft engen Rahmenbedingungen.
Für Kinder mit Entwicklungsbesonderheiten kann dies erhebliche Probleme aufwerfen.
Besonders bei frühen Entwicklungsstörungen, Schwierigkeiten in der Affektregulation und herausforderndem Verhalten ist feinühliges Vorgehen angezeigt, das sich am Entwicklungsprofil und an kindlichen Bedürfnissen ausrichtet.
Das Seminar bietet diagnostische und therapeutische Grundlagen für den entwicklungsgemäßen und bedürfnisorientierten Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die es schwer haben, sowie Tipps für deren Begleitung auf ihrem Weg durch Kindergarten und Schule.
Dr. med. Tobias Wolf, Lorenz Fischer
Viele der Grundhaltungen der therapeutischen Arbeit und des systemischen Denkens finden sich interessanterweise im Improvisationstheater wieder.
Das gemeinsame Spiel und die Improvisation bewirken dabei grundlegende Veränderungen in der Haltung gegenüber Klientinnen und Familien und deren Herausforderungen.
Das Seminar soll durch praxisnahe Übungen und Methoden erfahrbar machen, wie angewandte Improvisation einen unerwarteten Erfahrungsraum eröffnet.
Ziel unseres Workshops ist es, Sicherheit und Vertrauen im gemeinsamen Spiel erlebbar zu machen.
Entwickeln Sie einen anderen Blick auf das eigene Scheitern im Arbeits- und Lebenskontext und entdecken Sie Möglichkeiten, Familien in die Gestaltung gemeinsamer Therapiearbeit einzubeziehen.
Über nonverbale Ausdrucksformen, Spontaneität und Kreativität entsteht für die Teilnehmerinnen ausreichend Raum, sich selbst in sonderbaren Momenten unbefangen zu erleben.
Prof. Dr. med. Alexander Trost
Psychische Störungen können nach neuerer Forschung als Ausdruck eingeschränkten Vertrauens in die eigenen sozialen Lernmöglichkeiten und damit in Perspektivenerweiterung /-übernahme angesehen werden.
Kreatives Mentalisieren und der Aufbau epistemischen Vertrauens sind nachweislich wirksame Werkzeuge für die Verbesserung solcher essentieller Kompetenzen.
Durch dieses Vorgehen kann dazu die Bindungssicherheit verbessert werden.
Nach einer theoretischen Einführung wollen wir etwas üben und konkrete Praxissituationen reflektieren.
Miriam Schäfer & Francis Kaiser
Zum neuen pädagogisch-therapeutischen Kinderbuch "WILMO - Ein Bilderbuch über Depression in der Familie" (Sept. 2025, Reinhardt Verlag) ist ein begleitendes Zusatzmaterial durch eine multiprofessionelle Expertinnengruppe entstanden.
Das kostenlos und online zugängliche 30-seitige Material ergänzt die persönliche Geschichte der Autorin Francis Kaiser, die sie im Kinderbuch Wilmo verarbeitet hat, und bietet Partner:innen, Kindern und pädagogischen Fachkräften eine Gesprächsgrundlage und erste Handlungsideen.
Stellvertretend durch zwei Mitglieder der Expertinnengruppe werden das Buch und das Zusatzmaterial vorgestellt.
Neben Information zu der Entstehung und der multiprofessionellen Zusammenarbeit laden wir zu einem Austausch über den Umgang mit betroffenen Familien ein.
Ein besonderes Augenmerk soll hierbei auf der Vernetzung liegen, die es braucht, um betroffene Familien frühzeitig Hilfe und Unterstützung zu ermöglichen. Dabei geht es stets darum, Türen offen zu halten.
Dr. med. Renate Sannwald
Dr. med. Andreas Richterich
Virtuelle Welten werden häufig eng mit Computerspielen in Zusammenhang gebracht.
In einem Streifzug durch Philosophie, Biologie und Medizin wird in diesem Seminar aufgezeigt, wie sehr Menschen schon immer in virtuellen Welten gelebt haben.
Beginnend mit Jakob Johann von Uexküll und Thure von Uexküll, über Humberto R. Maturana und Peter Hahn bis zu Jerome D. Frank und George Lakoff werden Ideen, Konzepte und Sichtweisen zusammenfassend dargestellt, die im klinischen Alltag der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie nützlich und anwendbar sind.
Im Licht dieser theoretischen Ausführungen wird anschließend ein "update" geboten, mit einem psychotherapeutischen Blick auf die virtuellen Welten des Web 2.0, auf die Auswirkung künstlicher Intelligenz auf die Welt der Kinder und Jugendlichen, und auch auf die Faszination aktueller Spielewelten.
Ausgesuchte Videos ergänzen die Ausführungen.
Zusammenfassend ist die äußere Realität und die "Tür nach Außen" wichtig, insbesondere im konkreten Sinne.
Psychotherapeutisch und salutogenetisch aber sind innere Welten mindestens genauso relevant ? und die Kenntnis um Grundlagen, Regeln und Möglichkeiten innerer Welten ein unverzichtbares Werkzeug für die professionelle Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien.
Dustin Fornefeld
Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen stehen oftmals vor verschlossenen Türen ? sowohl in der Beziehung zu sich selbst als auch zu ihrer Umwelt.
Während die tiergestützte Therapie, etwa mit Pferden, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bereits fest etabliert ist, gewinnt der Einsatz von Hunden zunehmend an Bedeutung.
Hunde können als soziale Katalysatoren wirken, indem sie emotionale Zugänge erleichtern und therapeutische Prozesse unterstützen.
Gleichzeitig ist der therapeutische Einsatz eines Hundes kein Allheilmittel und keine Kleinigkeit, sondern eine anspruchsvolle Methode, welche fundiertes Wissen und klare Qualitätsstandards erfordert.
Trotz wachsendem Interesse fehlen bislang Leitlinien sowie belastbare Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit und möglicher Risiken.
Dieser Vortrag präsentiert den aktuellen Forschungsstand und diskutiert Potenziale, Herausforderungen und Risiken der hundegestützten Therapie unter Berücksichtigung klinischer und methodischer Qualitätsmerkmale.
Miriam Schäfer & Christa Debbeller
Patenprogramme für Kinder psychisch erkrankter Eltern ermöglichen eine Auszeit vom Alltag.
Engagierte Personen treffen ihre Patenkinder regelmäßig und bringen Leichtigkeit und Sicherheit in die Lebenswelt der Kinder, wo die elterliche Belastung oft den Alltag bestimmt.
Der langfristige Einzelkontakt fördert die Resilienz und Stabilität.
Gleichzeitig ist dieses Tandem kein einseitiges Geben und bewirkt auf beiden Seiten Glücksmomente und einzigartige Erlebnisse.
Gemeinsam wollen wir (die Koordinatorin des Patenangebots und eine langjährige ehrenamtliche Patin) die Erfahrung exemplarisch und anonymisiert an der Patenschaft von Tilda schildern.
Vom ersten Kennenlernen bis zum eigenen Zimmer im Haushalt der Paten: Sichere Räume, die eine positive Entwicklung ermöglichen.
Eine allgemeine Vorstellung des Konzepts der Patenschaften (Präsentation und Video) wird durch die persönlichen Eindrücke und Erfahrungen der Patin bereichert.
Dr. med. Eva Renate Marx-Molliére
Die Patienten: Getrennte Eltern, Patchworkfamilien, alleinerziehende Mütter
Prekäre Lebensbedingungen, Gewalterfahrungen,ungesicherter Aufenthaltsstatus. Wenig Zugang zur Bildung, schlechte Qualifikation und Beschäftigungssituation.
Die Ärzte/Behandler/Therapeuten/Coaches/Berater: häufig akademisch qualifiziert, finanziell stabil und komplette Familien. Paarkonflikte können (finanziell) geregelt werden. Zugang zu Bildung und Gesundheitswesen. Gesicherter Aufenthaltsstatus
Die Folgen: „Bürgerliche“ Behandlungs- und Zielvorstellungen.Vorschläge ohne Berücksichtigung vorhandener Lebensgrundlagen. Fokussierung auf kreative, individuelle und spirituelle Inhalte. Ausbeutung der Notlage der Patientenfamilien durch Angebote unwirksamer Interventionen. Coaching, Beschäftigung als Business
Ansätze: Alltagstaugliche Interventionen unter Einbeziehung der realen Lebensbedingungen. Interdisziplinäre Arbeit. Aufsuchende Angebote, Kontakt zu Institutionen. Türen öffnen und offenhalten ist die Voraussetzung zur Eröffnung von Räumen. Die Türen gehen nicht automatisch - und zum Glück - auf.
Kathrin Deckers, Katrin Tonner
Im Seminar zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus dem Autismus-Spektrum im sozialpsychiatrischen Kontext wird zu Beginn ein kurzer Überblick über das diagnostische Vorgehen in unserer Praxis gegeben ? inklusive Screening-Fragebögen, ADOS/ADI-R, aber auch ergänzender Materialien wie EmotionCards in diesem Kontext.
Anschließend werden Interventionen im sozialpsychiatrischen Kontext vorgestellt.
Dazu gehören Unterstützungsangebote für Kinder/Jugendliche im Alltag, wie z. B. das Führen eines Alltagstagebuchs zur Erfassung sozialer Interaktionen.
Auch spieltherapeutische Ansätze für jüngere Kinder werden erläutert und vorgestellt.
Das autismusspezifische Gruppensetting wird als Möglichkeit des Austausches, der gegenseitigen Stärkung / Unterstützung und des Sozialtrainings vorgestellt.
Darüber hinaus werden Interventionen in der Eltern-/Umfeldberatung sowie die Grenzen der Beratung im sozialpsychiatrischen Kontext erläutert.
Ein weiteres Thema wird die eigene Haltung sein.
Dr. med. Maren Fritzke
Alle sind anders: auch die Therapeutin.
Jeder Mensch mit ASS hat seine Besonderheiten, aber in einer Gruppe werden die ähnlichen Denkweisen manchmal deutlich.
Das führt auch dazu, dass sich die Therapeutin anders fühlt und nachfragt, was z. B. gerade an der Situation lustig ist.
Erst mal hat kaum ein neurodiverser Mensch Lust auf Gruppe, weil ja oft so viele negative Erfahrungen in sozialen Gruppen gemacht wurden.
Aber nach der Kennlernphase ist es manchmal schwer, die Gruppen pünktlich zu beenden, weil so viele Themen im Umgang mit neurotypischen Menschen wichtig sind, um durch den Alltag zu kommen.
Dieses Seminar bietet Raum zum Austausch von Tipps zu Elternarbeit, Einzel- und Gruppenarbeit bei ASS (Alter 8?23 Jahre).
Iris Soppa-Fischer
In dem Seminar werden lösungsfokussierte und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Zielentwicklung und schrittweisen Zielerreichung theoretisch vorgestellt.
Anschließend wird praxisnah demonstriert, wie dies im therapeutischen Alltag z. B. mittels der Wunderfrage und der Arbeit mit Handpuppen umgesetzt werden kann.
Die Entwicklung der wichtigen Wirkfaktoren in der Psychotherapie von „Zielkonsens“ und „Ressourcenaktivierung“ werden in dem Seminar sichtbar.
Es können dazu auch Fälle der Teilnehmer:innen exemplarisch genutzt werden.
So wie Sören Kierkegaard es so treffend beschrieb: „Hoffen heißt die Möglichkeit des Guten erwarten …“
Dr. med. Gudrun Rogler-Franken
Die systemische Beratung und Familientherapie ist eine etablierte Methode in der Behandlung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien. Sie ist inzwischen von den gesetzlichen Krankenkassen als Psychotherapieverfahren neben der tiefenpsychologisch-analytischen Therapie und der Verhaltenstherapie anerkannt. Systemische Ansätze erweisen sich in der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung als sinnvoll und außerordentlich hilfreich. Sie sind gerade im ambulanten Bereich, insbesondere auch in sozialpsychiatrischen kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen gut umzusetzen und ein wertvoller Baustein unserer Therapie. In diesem Seminar sollen den TeilnehmerInnen Grundlagen systemischen Arbeitens, insbesondere die systemische Grundhaltung, Herangehensweisen und ausgewählte systemische Techniken vorgestellt werden. Es soll dargestellt werden, wie sich systemisch-familientherapeutisches Arbeiten im ambulanten Kontext der Kinder- und Jugendpsychiatrie konkret umsetzen lässt. Anhand von Fallbeispielen aus einer sozialpsychiatrischen kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis lernen die TeilnehmerInnen systemisch-familientherapeutische Herangehensweisen und Behandlungsoptionen kennen.
Dr. Sascha Hoffmann
In jenem Workshop werden anhand einfacher, aber effektstarker Zauberkunststücke auch die Denkweise von Zauberern sowie Zauber-Prinzipien und die Präsentation gelehrt.
Zwischendurch ist immer wieder Thema, wie ich die Zauberei im therapeutischen bzw. pädagogischen Kontext nutze.
Alle Materialien werden gestellt und dürfen behalten werden, ebenso der Onlinezugang zu Videomaterial mit allen gezeigten Kunststücken.
Nadine Vietmeier, Helen Hübner
Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter und haben oft einen langfristigen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen.
Aktuelle Forschungsergebnisse belegen, dass die aktive Einbindung der Eltern in den therapeutischen Prozess einen entscheidenden Beitrag zum Behandlungserfolg leisten kann.
Im Rahmen des Workshops werden praxisorientierte Konzepte vorgestellt (z. B. SPACE von Eli Lebowitz), die einen effektiven Einbezug der Eltern in die Therapie ermöglichen.
Dabei liegt der Fokus auf der Förderung einer positiven Veränderung im häuslichen Umfeld, um den Therapieerfolg nachhaltig zu unterstützen.
Ziel des Workshops ist es, die Rolle der elterlichen Unterstützung als zentralen Bestandteil in der Behandlung von Angststörungen hervorzuheben und evidenzbasierte Methoden und Ansätze für die praktische Umsetzung zu vermitteln.
Werner Heuschen
Nach Ende der Lockdowns beobachten wir alle in unseren Praxen und den Kliniken eine Zunahme psychiatrischer Störungsbilder (v. a. Depressionen, Ängste, Essstörungen, soziale Interaktionsstörungen), die sich auch in den Studienergebnissen niederschlagen.
In vielen Fällen gehen diese Störungsbilder mit Schulabsentismus von mehreren Wochen bis hin zu vielen Monaten einher.
Es gibt viele konkrete Handlungskonzepte, die, basierend auf ersten Interventionen im Kontext Schule-Elternhaus, im weiteren Verlauf auch eine fundierte kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik und Therapieempfehlung beinhalten sollen.
Eines der Probleme ergibt sich aus der Tatsache, dass eine Kooperation mit Schulen in den seltensten Fällen etabliert sein dürfte, diese aber in den Konzepten gefordert wird.
Ein anderes Problem liegt sicher auch in der fehlenden Verfügbarkeit therapeutischer Angebote und Maßnahmen der Jugendhilfe.
Ziel des Workshops ist es, den Ist-Stand aus den verschiedenen Bundesländern abzugleichen, Erfahrungen auszutauschen und bestenfalls ein Konsensuspapier zur Vorlage beim Vorstand des BKJPP zu entwerfen, welche politischen und gesellschaftlichen Forderungen postuliert werden müssen, um wirklich vernetzt im Sinne einer raschen Unterbrechung des Circulus vitiosus „Schulabsentismus“ vorgehen zu können.
Dipl.-Psych. Frederic Linßen
Angenommen, es gäbe ein Wundermittel, mit dem wir unsere jungen Klient:innen unterstützen könnten, ihre Ziele spielerisch und leichter zu erreichen.
Und angenommen, dieses Mittel hätte ausschließlich positive Haupt-, Neben- und Langzeitwirkungen und wäre auf die jeweils individuelle Situation zugeschnitten.
Würden Sie es in Ihrer Praxis einsetzen?
„Changers“ sind ein maßgeschneidertes, arzneiähnliches, psychologisch wirksames Präparat.
Sie sind ein individualisiertes und bildunterstütztes offenes Placebo in Form einer bedruckten Oblate, verpackt in ein suggestiv beschriftetes Tablettenröhrchen.
2024 wurden diese Impact-Intervention bei hochgestressten Proband:innen am Uniklinikum Freiburg (n=137) erfolgreich evaluiert und wird aktuell an der Medical School Hamburg in der KiJu-Therapie untersucht.
Workshopinhalte:
1. Zwölf Wirkprinzipien
2. Livedemonstration
3. Fallbeispiele aus der KiJu-Therapie
4. Leitfaden + praktische Übung
5. Reflexion
Literatur:
Linßen, F. (2025). Angenommen, es gäbe ein Wundermittel … Die Changers-Intervention – Placebo gezielt nutzen. Carl-Auer-Verlag.
Dr. Michael Meusers, JProf. Dr. med. Undine Zellin
Einleitend erfolgt die Vorstellung der Neurobiologie zu den Störungsbildern Traumafolgestörung, Depression und Angststörung.
Anschließend werden die Absorptionstechnik sowie das Progressiv Counting als Behandlungsmöglichkeiten vermittelt.
Abschließend erfolgt eine Darstellung der Medikationsmöglichkeiten bei generalisierter Angststörung sowie ein Überblick über verhaltenstherapeutische Interventionsmöglichkeiten bei Phobie.
Andrea Conradi
Ängste, Überforderungsgefühle, Hilflosigkeit, anhaltende Trauer oder auch Wut, Scham oder Peinlichkeit – anhaltend belastende Emotionen lassen sich erfahrungsgemäß wenig nur durch Gespräch oder kognitiv geprägte Interventionen auflösen. Hinzu kommt der meist große Einfluss von teils halbbewussten, teils unbewussten Lösungswiderständen – so spielen auch bei Kindern z. B. unbewusste Familienloyalitäten häufig eine Rolle.
Bei der Anwendung von Klopftechniken werden die Wahrnehmung von Gefühlen, das Körpererleben und die Selbstakzeptanz gestärkt. Durch Eigenanwendung der einfachen Form können kleine und große Patienten ihre Selbstwirksamkeit steigern und lernen, sich emotional besser zu regulieren.
Im Workshop wird nebst theoretischen Hintergründen eine praktische Anleitung zur Anwendung der Grundform gegeben. Diese ist schnell zu erlernen und kann bei therapeutischer Vorerfahrung bereits nach dem Workshop angewendet werden. Weiter wird ein erster Einblick in die Diagnostik und Behandlung der unbewussten Anteile und Lösungswiderstände gegeben.
Klopftechniken und weiterführende Verfahren lassen sich sehr gut mit allen anderen Therapieansätzen kombinieren und verstärken deren Wirksamkeit.
Dr. med. Franz Wienand
Die dialogisch begleiteten, gefühlstragenen (katathymen) Imaginationen der KIP öffnen die Tür ins Innere, indem sie vor- bzw. unbewusste Konflikte, Bedürfnisse, Wünsche und Ängste, aber auch Übertragungsaspekte symbolisch vor Augen stellen und so ihre Bearbeitung erlauben.
Sie ermöglichen aber ebenso einen Zugang zu Ressourcen, Kraftquellen und Lösungen und öffnen damit die Türe nach außen.
Imaginationen können in Therapie und Beratung genutzt werden, um Ängste, Herausforderungen und Entwicklungsschwellen zu bewältigen.
Der Workshop bietet eine Einführung in die kreative, ressourcen- und entwicklungsorientierte Diagnostik und Therapie mit Imaginationen.
Anhand von Bildbeispielen und Tonaufnahmen aus seiner Praxis demonstriert der Referent, Dozent der DGKIP, die theoretischen Grundlagen und das methodenübergreifende, praktische Vorgehen bei verschiedenen Problemlagen und Störungsbildern, einschließlich der Arbeit mit den Bezugspersonen.
Literatur:
Wienand, F., Bauer-Neustädter, W. (2022): Katathym Imaginative Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Grundlagen und Praxis. Stuttgart: Kohlhammer.
Dipl.-Psych. Markus Fumi
Essstörungen, vor allem Anorexia nervosa gehören zu den gefährlichsten Erkrankungen im psychosomatischen Bereich. Der Beginn der Essstörungen liegt bereits im Kindes- und Jugendalter, daher besteht die Notwendigkeit von möglichst frühzeitigen, störungsspezifischen Interventionen in einem spezialisierten Setting (ambulant, teilstationär oder stationär), um körperliche und psychosoziale Spätfolgen abwenden zu können. Ein Verständnis von Essstörungen als Lösungsstrategie ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Essstörungen gehören zu den hoch funktionalen Krankheitsbildern. Entsprechend schwer fällt es ihnen, Krankheitsverhalten aufzugeben. Im Mittelpunkt der therapeutischen Bemühungen sollte daher der Aufbau eines zielführenden Commitments stehen, auf Basis dessen sich der gemeinsame Weg aus der Essstörung bewältigen lässt. Psychotherapie mit Essstörungspatientinnen stellt Therapeutinnen und Therapeuten vor besondere Herausforderungen: der Beziehungs- und Motivationsaufbau bei den in der Regel hoch ambivalent motivierten Patientinnen, die Balance zwischen Autonomie und Vorgaben, oder der Einfluss gesellschaftlicher Ideale und Sozialer Medien. Der Workshop beinhaltet die Diagnostik, die Vermittlung eines ätiologisches Verständnisses sowie die sich daraus ableitenden psychotherapeutischen Strategien und Fallstricke der Behandlung von Essstörungen.
Dr. med. Ekkehart D. Englert
In allen kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlungssettings sehen wir immer häufiger Patient:innen, die das Thema einer erlebten Nicht-Passung von physischer und psychischer Geschlechtsidentität beschäftigt oder belastet.
In unserem Workshop soll es primär um praktische Aspekte im Umgang mit Kindern und Jugendlichen gehen, die eine Geschlechtsinkongruenz bzw. -dysphorie beschreiben.
Nach einem kurzen Eingangsreferat wollen wir anhand konkreter Beispiele aus der Praxis über folgende Aspekte diskutieren:
• Inwiefern ist die neue S2k-Leitlinie hilfreich?
• Wie wirken sich die national wie international sich verändernden gesellschaftlichen / politischen Rahmenbedingungen auf unsere Patient:innen und unsere Arbeit aus?
• Wie gewinnen wir diagnostische Sicherheit bezüglich des Vorliegens einer persistierenden Geschlechtsinkongruenz?
• Wie gehen wir mit nicht-binären oder gender-fluiden Geschlechtsidentitäten um?
• Welche Rolle spielen Komorbiditäten (sind sie Ursachen / Folgen / Hinderungsgründe für medizinische Interventionen)?
• Schwierige Situationen mit Eltern / Sorgeberechtigten, formale / juristische Probleme
Bitte bringen Sie gerne eigene Fälle, Beispiele, Fragen oder Anregungen mit!
Dr. phil. Peter Conzen
Die Zunahme an Extremismus, Intoleranz und Gewaltbereitschaft ist heute ein beunruhigendes Phänomen.
Was führt zu innerpsychischen Radikalisierungsprozessen, dem Sich-Einmauern in unerschütterlichen Überzeugungen und Feindbildern – bis hin zu fundamentalistischen oder fanatischen Umstrukturierungen der Identität?
Welche Misstrauenshaltungen und verletzte Schamgefühle, welche inneren Konflikte, Spaltungsmechanismen und schleichenden Pathologien, welche persönliche und gesellschaftliche Krisen führen zur Identifizierung mit radikalen politischen oder religiösen Ideologien und zum Anschluss an offen oder latent gewaltbereite Gruppen?
Welche Rolle spielen dabei persönliche Begegnungen und Schlüsselerlebnisse, indoktrinierende Gruppenprozesse und destruktive Vorbilder – vor allem auch die immer raffinierteren Suggestionen des Internets?
Und wie können wir in Beratung und Psychotherapie Gefährdungen rechtzeitig erkennen und ihnen entgegenwirken?
Diesen Fragen sucht der Workshop in einer Mischung aus theoretischem Input, Gruppendiskussion und der Arbeit an Fallbeispielen nachzugehen.
Götz-Peter Lampe
Beim Reframing handelt es sich um eine grundlegende systemische Arbeitsmethode.
Beschreibungen von Klienten oder Familien werden neue Bezugsrahmen gegeben, um damit einen anderen Blickwinkel und damit auch andere Zuschreibungen zu ermöglichen und letztendlich neue Entwicklungsräume zu eröffnen.
In dem Workshop soll es um eine therapeutische und praktische Erkundung der Arbeit mit dieser Methode im KJPP-Bereich gehen.
Dr. phil. Dipl. Psych. Reinhild Schwarte, Dr. Vitt-Beiler
Im Workshop wird die Methode der angewandten Improvisation (angelehnt an Viola Spolin und Keith Johnstone) vorgestellt, die in unterschiedlichen Bereichen zunehmend an Beachtung gewinnt. Einleitend wird ein ?berblick ?ber die Geschichte und die wesentlichen Grundhaltungen des Improvisationstheaters gegeben. Auf dieser Basis wird erl?utert, wie die angewandte Improvisation gezielt in Einzel-, Gruppen- und Familientherapie angewendet werden kann, au?erdem die aktuelle Studienlage dargestellt. Anhand konkreter Praxisbeispiele wird die Flexibilit?t der Methode aufgezeigt: Improvisationstechniken k?nnen sowohl themenzentriert als auch allgemein zur Auflockerung eingesetzt werden; sie eignen sich als eigenst?ndige Methode oder als kreativer, emotionsaktivierender erg?nzender Baustein in verschiedenen Therapiekonzepten. Der Kern des Beitrags ist das Modell IMPRO: VE, welches sieben zentrale Zielbereiche der angewandten Improvisation definiert, die helfen, emotionale Prozesse in unterschiedlichen therapeutischen Settings zu f?rdern. Pr?sentiert werden spezifische ?bungen f?r Einzeltherapie und Familienthemen sowie beispielhafte Anwendungen in ambulanten und station?ren Gruppen. Illustrierend verdeutlichen Filmbeispiele die Anwendung der Methode mit sozial ?ngstlichen Patient:innen sowie mit essgest?rten Patientinnen in der K?rperbildgruppe.
Doris van Stevendaal
In den letzten Jahren erleben wir zunehmend Kinder (und Jugendliche) mit besonderen Entwicklungsdynamiken, die Verhaltensweisen zeigen, die an autistische St?rungsbilder denken lassen.
In diesem Workshop soll es darum gehen, diese Verhaltensweisen entwicklungsbezogen einzuordnen und von autistischen Verhaltensweisen abzugrenzen.
Dr. med. Yonca Izat, Dr. phil. Dipl. Psych. Reinhild Schwarte, Dr. med. Roland Burghardt
Entwicklung und Exposition mit der EATING FLOWER™ Dr. phil. Dipl. Psych. Reinhild Schwarte
Ein wichtiger Behandlungsfaktor bei Essstörungen stellt die wirkungsvolle Konzeption von Expositionen dar. Die in der Fachklinik Konraderhof genutzte EATING FLOWER™ bietet 6 essstörungssymptombezogene und 6 allgemeine Aspekte als Übergeordnete Denkstruktur. Durch die Nutzung dieser Denkstruktur entsteht in der Oberbergfachklinik Konraderhof Interdisziplinarit?t und Ganzheitlichkeit. Zudem fördert die EATING FLOWER™ die Compliance der PatientInnen, ist diagnoseübergreifend im Essstörungsbereich einsetzbar und reduziert Scham- und Schuldaffekte. Es wird dargestellt, wie sich insbesondere zu den essstörungsbezogenen Aspekten wirkungsvolle Verhaltensexperimente konzipieren lassen und Fortschritte so auch jenseits vom Gewicht auf der Waage sichtbar werden.
"EBT®" zur Beziehungsdiagnostik und Intervention bei anorektischen Jugendlichen? Dr. med. Yonca Izat
Der Vortrag zeigt eine Weiterentwicklung der Entwicklungspsychologischen Beratung und Therapie (EBT) in den Jugendbereich auf. Im Zuge der Pandemie ergab sich eine erhöhte Prävalenz von anorektischen Patient*innen, die, sowohl im Schweregrad als auch durch komorbide Erkrankungen, Behandler weiterhin vor große Herausforderungen stellt. Ein wichtiger Baustein in der EBT ist die dyadische Video-Interaktionsanalyse zwischen Patient*innen und ihren Bezugspersonen, welcher zur Verbesserung der Passung innerhalb der Beziehung zur Diagnostik und Intervention eingesetzt wird. In dem Vortrag werden verschiedene Video-Interaktionsanalysen mit anorektischen Jugendlichen und ihren Bezugspersonen ausgewertet und Ansätze für die Elternarbeit dargestellt.
Partizipative Behandlung von Anorexia nervosa Dr. med. Roland Burghardt
Die Behandlung von Anorexia nervosa hat aufgrund der großen Gefahr der Chronifizierung und damit verbundenen Mortalität eine besondere Bedeutung. Es gibt verschiedene Ansätze, viele davon arbeiten mit Phasenplänen, die gerade am Anfang der Behandlung wenig Spiel- und Bewegungsraum für die Patient:innen geben. Können wir mehr Partizipation zulassen, ohne den Behandlungserfolg zu gefährden? Wir stellen ein Konzept dazu vor und versuchen die Frage unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Behandlungsempfehlungen und -ergebnissen zu beantworten.
Johanna Lauff
Verhaltensauffälligkeiten wie ADS, ASS, Lese-Rechtschreibschwäche, Dyskalkulie, mangelnde Impulskontrolle, generalisierte Angststörungen, Schulverweigerung, Zwänge u.v.w. nehmen bei Kindern und Jugendlichen zu (vgl. COPSY Studie). Eine Vielzahl der Symptome decken sich mit Folgeerscheinungen neuromotorischer Unreife. Neuromotorische Unreife entsteht, wenn die vorprogrammierten Reifeprozesse des Nervensystems während der Schwangerschaft, der Geburt oder im ersten Lebensjahr gestört werden und in der Folge sensomotorische und emotionale Basisfunktionen nicht automatisiert werden können. Diese Unreife muss permanent vom Nervensystem kompensiert werden, was die Anfälligkeit für Störungen der Entwicklung und des Verhaltens erhöht und die Resilienz gegenüber Lebensstressoren verringert. Die meisten Förder- und Hilfsangebote setzen auf top-down Strategien und helfen bei der Kompensation, ändern aber nichts an der neuromotorischen Unreife aus der Frühzeit der Entwicklung. Hier setzt die neuromotorische Entwicklungsförderung an. Durch diesen bottom-up ausgerichteten Förderansatz ist es möglich nachträglich den Grad neuromotorischer Reife messbar zu erhöhen. Dies öffnet neue Türen für Entwicklung, für Lernen, für Verhaltensänderung. In diesem Workshop erhalten die Teilnehmenden eine praxisnahe Einführung in die Methodik des INPP (Institute for Neuro-Physiological Psychology), das sich mit Erforschung, Diagnostik und Behandlung von physischen (neuromotorischen) Anteilen an einer Vielzahl von sensomotorischen und emotionalen Störungsbildern befasst.
Dr. med. Christoph Johannsen, J. Johannsen-Meissner
In unserer sozialpsychiatrischen Praxis haben wir seit 14 Jahren Erfahrungen mit verschiedenen ambulanten gruppentherapeutischen Formaten gesammelt. Von der niederschwelligen "Bewegungsgruppe" über Eltern-Kind-Formate im Kleinkindalter und Soziale Kompetenzgruppe, Diagnostik-Gruppe, verschiedenen Jugendlichen Gruppen, Kunsttherapeutische Gruppen, Gruppe für junge Menschen mit ASS bis hin zur wöchentlichen Gruppenpsychotherapie mit Jugendlichen reicht unser Angebot.
Wir möchten in diesem Workshop unsere Erfahrungen teilen, von bewährten therapeutischen Übungen und Gesprächsformaten berichten und diese in kleinen Übungen erfahrbar machen. Neugierig sind wir darauf, mit den Teilnehmenden über Herausforderungen und eigenen bewährte Techniken und Strukturen für die Gruppentherapie in den kollegialen Austausch zu kommen und uns damit gegenseitig zu bereichern.